Ein Tag im Leben eines Joyful Journalists
Zunächst möchte ich mit einer Geschichte über einen ungewöhnlichen Fußgänger beginnen, dem wir vor ein paar Wochen begegnet sind. Wir waren an einem Sonntagmorgen auf dem Weg zur Kirche, als wir durch das Autofenster nichts Geringeres als ein Kamel sahen! Es lief ganz allein die Straße hinauf, als wüsste es genau, wohin es wollte, und würdigte uns beim Vorbeifahren nicht einmal eines Blickes.
Das war bisher wahrscheinlich meine liebste überraschende Tierbegegnung in Kenia. Es ist inzwischen ganz normal geworden, Esel, Kühe und Schafe mitten auf der Straße zu sehen – nicht nur ein paar, sondern manchmal ganze Herden. Das Kamel jedoch war eine sehr coole neue Erfahrung.
Und damit kommen wir zu einem wesentlichen Teil des kenianischen Alltags: Kenias Pendant zu Bussen, die sogenannten „Matatus“. Das sind kleine, privat betriebene Vans mit etwa 15 Sitzen. Es wäre jedoch ein Fehler zu denken, dass dort tatsächlich nur 15 Personen Platz finden! Stattdessen quetscht man so viele Passagiere wie möglich hinein, oft stehen mindestens zwei Männer in der Tür und hängen halb heraus. Der „Conductor“, der alle im Inneren arrangiert, ist für mich so etwas wie ein Cowboy der modernen Zeit – es fehlt eigentlich nur noch das Pferd! Sie hängen aus dem Van, rufen den Leuten zu und springen oft auf und ab, während das Fahrzeug noch fährt. Sie tragen sogar diesen typischen Cowboyhut und sind meist sehr charmant.
Ich erinnere mich an einen Abend, an dem wir essen gegangen waren und anschließend zusammen mit unserem besten Freund James ein Matatu nach Hause suchten. Nachts ist es am schwierigsten, ein Fahrzeug zu finden; dann sieht man sogar Leute aus dem Kofferraum eines Matatus hängen. Mein Mann hielt eines an, und sie schafften es, uns zu überzeugen, dass noch Platz sei. Am Ende saß ich auf dem Schoß meines Freundes, während mein Mann halb aus der Tür herausbalancierte. Als ich mich nach dem Einsteigen umdrehte, sah ich hinter mir nur glänzende Augen und Zähne.
Wenn jemand an seiner Haltestelle ankommt und aussteigen muss, müssen alle anderen ebenfalls aussteigen. Wer als Erster wieder im Matatu ist, bekommt den besseren Platz, meist am Fenster. Matatu-Fahrer lieben es, laute Musik über die Lautsprecher dröhnen zu lassen und ihre Vans mit bunten, blinkenden Lichtern zu dekorieren. Die ganze Fahrt fühlt sich daher oft an, als würde man in eine winzige Disco auf Rädern hineingepresst! Für alle Harry-Potter-Fans (wie mich) lässt sich das Erlebnis am besten mit dem Fahrenden Ritter aus „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“ vergleichen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt des Lebens hier – für mich als weiße Person in Kenia – ist, dass man ständig von zufälligen Leuten auf der Straße begrüßt wird. Wenn mein Mann und ich spazieren gehen, rufen besonders viele Kinder „Mzungu! Mzungu!“ (was auf Swahili im Wesentlichen „weiße Person“ bedeutet), während andere einfach nur winken. Da meine Sehkraft auf größere Distanz nicht die beste ist, sagt mir mein Mann oft, wohin ich winken soll – zum Beispiel: „Wink nach rechts, zu den Büschen dort drüben“ – was ziemlich amüsant ist, da ich oft nicht einmal erkennen kann, wem ich da eigentlich zuwinke.
Ich habe mir außerdem angewöhnt, dunkle Sonnenbrillen zu tragen – nicht nur wegen der Sonne, sondern vor allem, damit man meine Gesichtsausdrücke nicht zu leicht erkennt. In Kenia gibt es kein „zu beschäftigt“; es ist immer Zeit, Menschen zu grüßen und unterwegs ein langes Gespräch zu führen. Da kommen Sonnenbrillen sehr gelegen, besonders wenn – wie bei mir – das Gesicht nicht immer schnell genug mitspielt und man nicht unhöflich sein möchte, es aber manchmal etwas frustrierend ist, wenn man auf dem Weg irgendwohin aufgehalten wird. Mein Mann Alvin ist nicht nur gesprächig, sondern auch ziemlich bekannt – nicht nur dort, wo wir wohnen, sondern scheinbar überall, wo wir hingehen. Und natürlich mache ich es sehr leicht, mich schon von weitem zu erkennen; als weiße Person kann ich mich kaum tarnen oder „verstecken“. Die Sonnenbrille ist daher eine kleine, aber sehr hilfreiche Möglichkeit, sich ein wenig zu verbergen.
Hier in Kenia wird es wirklich nie langweilig. Von chaotischen Matatu-Fahrten, die dem Fahrenden Ritter Konkurrenz machen, über aufregende Begegnungen mit großen und kleinen Tieren, bis hin dazu, auf der Straße wie ein Promi begrüßt und fast von einer überschwänglich liebevollen Kinderschar umgerannt zu werden (siehe Bild unten!) – wer weiß, welches Abenteuer morgen wartet? Ein Zitat bringt es perfekt auf den Punkt:
„Das Leben ist entweder ein wagemutiges Abenteuer oder nichts.“ (Helen Keller)


